Denken · Aufsatz

Wohin wir gehen.

Eine Karte der klügsten Stimmen, die heute über die Zukunft der Menschheit nachdenken - von KI-Pionieren bis zu Ökonominnen, von Tech-Kritikern bis zu Klimaforschern. Eingeordnet, übersetzt, auf den Mittelstand bezogen.

Warum dieser Aufsatz

Wir bei wendwerk begleiten Handwerk, Bildung und Mittelstand dabei, digital zu werden - und sich auf die Herausforderungen einer Zeit einzustellen, die sich gerade rasant verändert.

Wir bauen dafür Software, aber das ist nur ein Teil. Der andere Teil ist: zuhören, einordnen, mitdenken. Erklären, was gerade passiert. Denn die Fragen, die in deinem Berufsleben gerade unter der Oberfläche brodeln, werden weltweit von einer Handvoll sehr kluger Menschen ausgefochten - Informatikerinnen, Ökonomen, Philosophen, Geopolitik-Analystinnen. Sie sind sich in fast nichts einig, aber zusammen zeichnen sie ein erstaunlich präzises Bild davon, welche Weichen gerade gestellt werden.

Dieser Aufsatz ordnet die wichtigsten Stimmen. Er ist keine Empfehlung, keine Prognose, kein Manifest. Er soll dich in die Lage versetzen, mitzureden - und vielleicht zu erkennen, welche Diskussion in deinem eigenen Berufsleben gerade unter der Oberfläche stattfindet.

Eins

Das große Thema: Künstliche Intelligenz.

Egal mit welchem Denker man anfängt - die Diskussion landet binnen Minuten bei KI. Genauer: bei der Frage, ob wir kurz vor AGI stehen.

Begriff

AGI (Artificial General Intelligence, "Allgemeine Künstliche Intelligenz") bezeichnet eine KI, die nicht nur eine spezielle Aufgabe beherrscht (Schach, Übersetzung, Bilderkennung), sondern flexibel jede geistige Aufgabe lösen kann, die auch ein Mensch lösen kann. Heutige KI-Systeme wie ChatGPT sind in vielem schon erstaunlich gut, aber nicht in allem zuverlässig. AGI wäre die Schwelle, an der eine Maschine kognitiv das tun kann, was ein durchschnittlicher Erwachsener tun kann - nur schneller und ohne Pause.

Manche halten AGI für nah (drei bis fünf Jahre), andere für ferne Science-Fiction. Aber kaum jemand der Ernstzunehmenden hält sie noch für unmöglich. Und das ist neu.

Zwei

Die Beschleuniger.

Ein Lager teilt eine Grundannahme: Wir stehen unmittelbar vor einer technologischen Diskontinuität, die das Schicksal der Menschheit zum Positiven wendet, wenn man sie richtig steuert.

Drei

Die Bremser.

Auf der anderen Seite stehen Stimmen, die ähnlich überzeugt sind - nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Begriff

Alignment ("Ausrichtung") ist der Fachbegriff dafür, dass eine KI das tut, was wir wirklich wollen - und nicht nur dem Wortlaut nach. Eine KI, die "die Welt glücklicher machen" soll, könnte theoretisch alle Menschen sedieren. Das wäre dem Wortlaut nach erfolgreich, aber falsch ausgerichtet.

Vier

Die Tech-Kritiker - anders als die Bremser.

Es gibt eine dritte Gruppe, die weder Singularität noch Auslöschung erwartet, sondern eine schleichende Erosion: KI als Werkzeug zur Konzentration von Macht und zur Aushöhlung von Demokratie.

Fünf

Wirtschaft: Wem gehört die Zukunft?

Während die Informatiker über AGI streiten, fragen Ökonominnen, was mit dem Kapitalismus passiert.

Was bedeutet das für Handwerk und Mittelstand? Die großen Plattformen optimieren auf Skalierung. Was nicht skaliert - die Stunde des Elektrikers, der Termin der Klavierlehrerin, die Beratung im Sanitätshaus - gerät unter Druck, weil es im Plattformlogik-Raster nicht effizient aussieht. Genau dort, wo es persönlich, lokal, handwerklich zugeht, entsteht in den nächsten Jahren entweder Wertzuwachs (weil es selten wird) oder Verdrängung (weil Plattformen alles dazwischen wegfräsen). Welche Seite gewinnt, hängt auch davon ab, ob die Werkzeuge - die Software dieser Berufe, und die Menschen, die beim Umstieg begleiten - auf ihrer Seite stehen.

Sechs

Klima und planetare Grenzen.

Während Silicon Valley auf KI starrt, schauen andere Forscher in die andere Richtung - auf den Zustand der Erde.

Sieben

Demografie und Geopolitik.

Eine eigene Gruppe von Denkern stellt die unscheinbarste, aber vielleicht stärkste Kraft in den Mittelpunkt: wer wo lebt, wer wie alt wird, wer mit wem handelt.

Acht

Die großen Bruchlinien.

So unterschiedlich diese Stimmen klingen - bei näherem Hinhören gibt es Muster. Sechs Fragen teilen den Diskurs in Lager:

Frage Ein Lager Anderes Lager
KI: schnell und gut, oder schnell und gefährlich? Altman, Hassabis, Amodei, Andreessen Yudkowsky, Hinton, Russell, Ord
Wachstum: Pflicht oder Sackgasse? Andreessen, Cowen Raworth, Rockström, Smil
Markt oder Staat als Gestalter? Andreessen, Cowen Mazzucato, Varoufakis
Mensch im Zentrum oder Übergangsform? Harari, Zuboff, Harris Altman, Kurzweil
Welt bleibt global oder zerfällt? KI-Lab-Chefs Zeihan, Bremmer

Und es gibt überraschende Konvergenzen. Doomer und Degrowther teilen den Befund "wir überschreiten gefährliche Grenzen" - nur welche, ist verschieden. Yudkowsky (KI) und Rockström (Klima) würden sich kaum mögen, argumentieren aber strukturell gleich. Varoufakis und Andreessen sind sich einig, dass eine kleine Klasse von Plattform-Eignern enorme Macht akkumuliert - der eine findet es schrecklich, der andere großartig. Sam Altman und linke Verteilungspolitiker treffen sich beim Grundeinkommen: Wenn KI Arbeit ersetzt, muss der Wohlstand verteilt werden.

Die eigentliche Lücke im Diskurs: Niemand verbindet überzeugend KI-Beschleunigung, planetare Grenzen und Verteilungsfrage in einem Modell. Amodei kommt am nächsten, scheitert aber an Politik. Mazzucato und Raworth haben die Politik, blenden aber das KI-Tempo aus. Genau diese Lücke ist vermutlich der spannendste Denkraum der nächsten Jahre.

Neun

Was hat das mit wendwerk zu tun?

Wir bauen Software - und wir begleiten dich dabei, mit ihr digital zu werden und dich auf eine neue Zeit einzustellen. Das eine ohne das andere funktioniert nicht. Ein Werkzeug, das niemand zu nutzen weiß, ist genauso wertlos wie ein Berater, der nur redet und nichts baut.

Drei Beobachtungen aus unserer Arbeit:

Erstens: KI ist keine Bedrohung für gute Arbeit, sondern eine Lupe. Wer ein scharfes Handwerk beherrscht, dem nehmen die Werkzeuge Routinearbeit ab - Angebote schreiben, dokumentieren, suchen. Wer nur Schein abliefert, dem zieht die KI das Wasser ab. Die Frage ist nicht "ersetzt mich KI?", sondern "habe ich etwas, das nicht ersetzbar ist?" Und: habe ich jemanden an meiner Seite, der mir hilft, das Sichtbare in Werkzeuge zu gießen?

Zweitens: Plattformen fressen, was dazwischen liegt. Wenn du als Betrieb nur über Google Maps gefunden wirst, bezahlst du eine Pacht. Eigene digitale Souveränität - eigene Website, eigene Termine, eigene Kundendaten - wird in den nächsten Jahren wertvoller, nicht weniger. Genau hier setzen wir an: nicht jede Datenspur an Plattformen abzutreten, sondern eigene Strukturen zu bauen, die dir gehören.

Drittens: Die Geschwindigkeit der Veränderung wird sich nicht aussitzen lassen. Egal welchem der oben genannten Denker man glaubt - alle gehen davon aus, dass die nächsten zehn Jahre mehr Veränderung bringen werden als die letzten dreißig. Das heißt: Werkzeuge, die heute gut sind, müssen morgen neu denken können. Und Menschen, die diese Werkzeuge nutzen, brauchen jemanden, der mitwächst.

Was wir aus diesem Diskurs mitnehmen

Niemand weiß, wohin wir gehen. Aber wer die Stimmen kennt, die gerade die Welt verhandeln, gestaltet seine eigene Zukunft sicherer als jemand, der nur reagiert.

Wir nehmen aus diesem Diskurs nicht mit, dass wir alles wissen - sondern dass es lohnt, die Spannungslinien zu kennen, an denen sich die nächsten Jahre entscheiden. Und dass du nicht allein dastehen musst, wenn du dich in dieser Welt sortieren willst. Genau dafür gibt es wendwerk.

Wenn du dazu mit uns reden willst

Wir sind Ansprechpartner und Sparringspartner zugleich - für die großen Fragen wie die kleinen ersten Schritte.

Wenn dich die konkrete Wirkung auf den Mittelstand mehr interessiert, lies Wie sieht die Zukunft von Unternehmen aus? Wenn dich die Frage interessiert, warum man trotz Interesse nicht anfängt, lies über die KI-Paralyse. Die sachliche Grundlage zu KI findest du auf wendwerk.de/wissen.

Kuratiert von Johannes Hohls für wendwerk.